Silberpreis nahe 70-Dollar-Marke: Was den Wochenauftakt bei Edelmetallen antreibt
Silber behauptet sich zum Wochenausklang nahe der psychologisch wichtigen 70-Dollar-Marke und steuert auf den dritten Wochengewinn in Folge zu. Getragen von einem schwächeren Dollar, sinkenden Anleiherenditen und kräftiger Industrienachfrage aus China bleibt das „arme Mannes Gold“ der Edelmetall-Star der vergangenen Woche – doch auch Gold, Platin und Palladium notieren fest.
- Silber: 68,95 US-Dollar je Feinunze – +1,28% zum Vortag, +15,46% im Monat, +77,24% im Jahresvergleich
- Gold: 4.607 US-Dollar je Feinunze – +2,03% zum Vortag, höchster Stand seit Mitte Mai
- Platin: 1.896 US-Dollar je Feinunze – +3,08%, Elf-Wochen-Hoch
- Palladium: rund 1.380 US-Dollar je Feinunze – zuletzt über 3% im Plus
- Chinas Importe von silberhaltigen Erzen im Juni: +62,5% im Jahresvergleich auf 219.000 Tonnen
Treasury-Ankündigung und schwacher Dollar als gemeinsamer Treiber
Auslöser der breiten Edelmetall-Rally der vergangenen Woche war die Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langlaufender Anleihen (10, 20 und 30 Jahre) deutlich auszuweiten, um die Finanzierungskosten des Staates zu dämpfen. Die Maßnahme drückte die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen und schwächte gleichzeitig den Dollar – eine Kombination, die zinslose Anlagen wie Gold, Silber, Platin und Palladium für Investoren spürbar attraktiver macht. Hinzu kommt die anhaltende Unsicherheit rund um die Straße von Hormus, die die Ölpreise hochhält und die Inflationssorgen am Markt wachhält. Diese Gemengelage erklärt, warum sich die Kursgewinne zuletzt über alle vier Metalle erstreckten, statt sich auf ein einzelnes zu konzentrieren.
Silber: Industrienachfrage verstärkt die Bewegung
Während Gold in erster Linie als Absicherung gegen geldpolitische und geopolitische Risiken gefragt ist, bekommt Silber zusätzlichen Rückenwind von der Industrieseite. Chinesische Importe silberhaltiger Erze legten im Juni um 62,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 219.000 Tonnen zu – angetrieben vom weiteren Ausbau der Solarindustrie und der Stromnetze im Zuge der Elektrifizierungsstrategie Pekings. Diese doppelte Nachfragequelle aus Anlage- und Industriebedarf ist ein Grund, warum Silber in Rally-Phasen regelmäßig prozentual stärker ausschlägt als Gold – nach oben wie nach unten. Bei einem insgesamt engen Angebot bleibt der Markt entsprechend anfällig für spürbare Tagesbewegungen in beide Richtungen.
Ausblick: Worauf der Markt zum Wochenstart schaut
Ganz ohne Gegenwind ist das Bild nicht: Das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung zeigte eine ungewöhnlich große Uneinigkeit unter den Notenbankern – einzelne Vertreter sprachen sich sogar für eine Zinserhöhung aus, um Inflationsrisiken zu begrenzen. Sollten sich restriktivere Töne in den kommenden Wochen durchsetzen, könnte das die Renditen wieder anziehen lassen und den Rückenwind für Edelmetalle bremsen. Zum Wochenstart dürften Marktteilnehmer daher genau auf neue Konjunkturdaten und die Erwartungen für die Zinsentscheidung im September schauen. Für Silber bleibt die 70-Dollar-Marke die nächste psychologische Hürde – ein nachhaltiger Ausbruch darüber wäre ein weiteres Signal für die Stärke der laufenden Rally.
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Häufige Fragen
Warum schwankt der Silberpreis stärker als der Goldpreis?
Der Silbermarkt ist deutlich kleiner und weniger liquide als der Goldmarkt, und Silber wird zusätzlich stark industriell nachgefragt (Solar, Elektronik, Stromnetze). Diese Kombination aus geringerem Handelsvolumen und einer zweiten, konjunktursensiblen Nachfragequelle führt dazu, dass Silber in beide Richtungen prozentual stärker ausschlägt als Gold.
Ist die aktuelle Rally bei Silber, Gold, Platin und Palladium nachhaltig?
Das lässt sich seriös nicht vorhersagen. Die aktuellen Treiber – Treasury-Anleiherückkäufe, schwacher Dollar, geopolitische Risiken und Industrienachfrage – sind real, könnten sich aber ändern, etwa wenn die Fed einen restriktiveren Kurs einschlägt. Dies ist keine Anlageberatung, sondern eine Einordnung der aktuellen Marktlage.
Quellen: Trading Economics, Marktberichterstattung u.a. von gold.de und finanzen.net.
