Der Goldpreis steckt seit Wochen zwischen 4.000 und 4.150 Dollar fest – trotz einer kurzzeitigen Entspannung im Iran-Konflikt. Der Grund: Seit Fed-Chef Kevin Warsh im Januar sein Amt antrat, hat sich die Rekordrally auf rund 5.600 Dollar in eine deutlich nervösere Handelsspanne verwandelt. Am 3. August pausierte US-Präsident Trump einen geplanten Angriff auf Iran, der Ölpreis fiel deutlich – Gold reagierte trotzdem kaum.
Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu Depot- und Goldanbietern. Wenn du darüber kaufst oder ein Depot eröffnest, erhält Gold-Echo ggf. eine Provision – ohne Mehrkosten für dich. Unsere redaktionelle Einschätzung ist davon unabhängig.
- Allzeithoch: rund 5.597 $ (29. Januar 2026)
- Aktueller Kurs: rund 4.030-4.055 $ je Feinunze (3. August 2026)
- Auslöser der Korrektur: Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Fed-Chef am 30. Januar – Gold brach intraday um bis zu 16 % ein
- Warsh-Debüt als Fed-Chef: Leitzins gehalten, aber 9 von 18 FOMC-Mitgliedern signalisieren eine Zinserhöhung für 2026
- Nächster Fed-Zinsentscheid: 15./16. September 2026
- Silber reagierte am 3. August stärker: Rückgang auf rund 56,90 $ (-1,2 %)
Der Warsh-Schock: Wie ein neuer Fed-Chef die Rekordrally beendete
Bis Ende Januar 2026 kannte der Goldpreis nur eine Richtung: nach oben, bis auf ein Allzeithoch von rund 5.597 Dollar je Feinunze am 29. Januar. Einen Tag später kippte die Stimmung abrupt: Als US-Präsident Donald Trump am 30. Januar die Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Fed-Vorsitzenden als Nachfolger von Jerome Powell bekanntgab, brach Gold intraday um bis zu 16 Prozent auf unter 5.000 Dollar ein, bevor sich der Kurs bei rund 4.745 Dollar einpendelte. Silber traf es noch härter: ein Einbruch von 121 auf 85 Dollar, mit einer Erholung auf rund 88,50 Dollar.
Der Grund für die heftige Reaktion: Warsh gilt als ausgesprochener Falke. In seiner ersten Pressekonferenz als Fed-Chef betonte er wiederholt, Preisstabilität sei der „Nordstern“ der Notenbank. Bei seiner ersten FOMC-Sitzung beließ er zwar den Leitzins unverändert, überraschte die Märkte aber mit einer deutlich restriktiveren Tonalität: 9 der 18 Mitglieder projizierten inzwischen eine Zinserhöhung für 2026, die Formulierung zu einer möglichen Lockerung wurde aus dem Statement gestrichen.

Der Nahost-Faktor: Warum jede Iran-Volte den Goldpreis bewegt
Seit Ende Februar 2026 befinden sich die USA und Iran im Kriegszustand, mit Angriffen auf Öltanker in der Straße von Hormus und wiederholten, letztlich gescheiterten Vermittlungsversuchen über Katar und Pakistan. Ein im Frühsommer vereinbarter Waffenstillstand hielt nur wenige Wochen: Anfang Juli erklärte Trump ihn für beendet, woraufhin die USA und Israel erneut Ziele im Iran angriffen und Teheran mit Attacken in der Region reagierte.
Diese Berg-und-Talfahrt hat sich seither in jeder Kursbewegung von Gold niedergeschlagen: Eskalationen trieben den sicheren Hafen Gold nach oben, Entspannungssignale drückten ihn wieder nach unten – meist über den Umweg des Ölpreises, der bei einer Eskalation wegen der Sorge um die Straße von Hormus steigt und damit Inflationssorgen und Zinserhöhungswetten der Fed befeuert.
3. August: Angriff pausiert, Öl fällt – und Gold reagiert kaum
Am 3. August hielt Trump einen bereits geplanten Angriff auf Iran zurück und verfolgt stattdessen offenbar einen Plan zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Der Ölpreis brach daraufhin um mehr als 4 Dollar je Barrel ein. Über den beschriebenen Mechanismus – niedrigerer Ölpreis, geringere Inflationssorgen, geringere Wahrscheinlichkeit aggressiver Fed-Zinsschritte – hätte das eigentlich Rückenwind für Gold bedeuten sollen.
Tatsächlich fiel die Reaktion verhalten aus: Der Goldpreis pendelte im Tagesverlauf zwischen rund 4.033 und 4.055 Dollar, blieb also in etwa auf dem Niveau der Vortage. Silber reagierte deutlicher in die andere Richtung und rutschte um 1,2 Prozent auf rund 56,90 Dollar ab. Ein Hinweis darauf, dass die Märkte dem bevorstehenden Fed-Zinsentscheid inzwischen mehr Gewicht beimessen als den kurzfristigen Nahost-Schlagzeilen.
Spricht für höhere Kurse
Anhaltende Nahost-Unsicherheit, eine strukturell hohe Nachfrage der Notenbanken sowie ein historisch hohes Ausgangsniveau der Rally seit 2025.
Spricht für niedrigere Kurse
Ein spürbar restriktiverer Fed-Kurs unter Warsh, eine mögliche weitere Zinserhöhung im September sowie nachlassende Öl- und Inflationssorgen bei einer Iran-Entspannung.
Was jetzt zählt: Die Fed-Sitzung am 15./16. September
Nach dem hawkishen Debüt von Warsh gilt die kommende FOMC-Sitzung am 15. und 16. September als nächster großer Termin für den Goldpreis. Sollte sich die von mehreren Fed-Mitgliedern signalisierte Zinserhöhung konkretisieren, würde das die Opportunitätskosten des zinslosen Goldbesitzes weiter erhöhen. Bleibt die Nahost-Lage dagegen angespannt oder eskaliert erneut, dürfte das dieser Belastung zumindest teilweise entgegenwirken. Für Anleger bedeutet das vor allem: erhöhte Schwankungsbreite bis zum Herbst.
Wer sich unabhängig von der kurzfristigen Kursrichtung mit physischem Gold eindecken möchte, findet einen Überblick über geprüfte Händler in unserem Goldanbieter-Vergleich.
Physisches Gold, ETFs/ETCs oder ein Depot mit breitem Börsenzugang – finde die passende Anlageform im Vergleich.
Fazit
Der Goldpreis hat sich seit dem Amtsantritt von Kevin Warsh als Fed-Chef von einer ungebremsten Rally in eine deutlich nervösere Handelsspanne zwischen rund 4.000 und 4.700 Dollar verwandelt. Der Nahost-Konflikt bleibt dabei der kurzfristige Taktgeber für einzelne Kursausschläge, doch die eigentliche Richtungsentscheidung dürfte die Fed-Sitzung im September bringen – und damit die Frage, wie ernst Warshs falkenhafte Rhetorik tatsächlich gemeint ist.
Häufige Fragen
Warum ist der Goldpreis nach dem Allzeithoch im Januar so stark gefallen?
Auslöser war die Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Fed-Chef am 30. Januar 2026. Sein als falkenhaft eingeschätzter geldpolitischer Kurs ließ Gold intraday um bis zu 16 Prozent einbrechen, seither pendelt der Kurs in einer Spanne von rund 4.000 bis 4.700 Dollar.
Wann trifft die Fed die nächste Zinsentscheidung?
Die nächste FOMC-Sitzung findet am 15. und 16. September 2026 statt. Bei seiner ersten Sitzung als Fed-Chef signalisierten bereits 9 von 18 Mitgliedern eine mögliche Zinserhöhung für 2026.
Warum reagierte Gold am 3. August kaum auf die Iran-Entspannung?
Trump hielt einen geplanten Angriff auf Iran zurück, der Ölpreis fiel deutlich. Gold pendelte dennoch nur zwischen rund 4.033 und 4.055 Dollar – ein Hinweis, dass die Märkte dem bevorstehenden Fed-Zinsentscheid im September aktuell mehr Gewicht geben als kurzfristigen Nahost-Nachrichten.
Quellen: CNBC, Yahoo Finance, USAGOLD Daily Market Report, Federal Reserve (FOMC), Reuters
